Mondfinsternis
Heute Nacht gab es oben am Himmel ein spannendes Alternativprogramm zum strahlenden Vollmond.
Traditionell wird der August-Vollmond auch als Störmond bezeichnet, und wenn sich die Erde genau zwischen Sonne und Mond schiebt und ihren Schatten wirft, sieht das Ganze gleich viel spannender aus. Wegen der partiellen Mondfinsternis hatte mir da mehr einen Sparmond mit dem charakteristischen hellen Rand. Weltweit passiert das zwar zwei- bis dreimal im Jahr, aber man muss ja trotzdem im richtigen Moment auch hinschauen.
Ich habe mir kurzentschlossen die Nikon Z50II mit dem 50-250mm Objektiv geschnappt. Eigentlich gehört sich für Astrofotografie ja ein fettes Stativ. Dank gutem Bildstabilisator und ordentlich Luftanhalten ging das Ganze diesmal aber auch erstaunlich gut freihändig durch. Nach kurzer Zeit war der Moment dann auch schon wieder vorbei.
Der Erstkontakt:
1/25s f/6,31 ISO 6400/39° 50-250mm f/4,5-6,3 VR f=250mm/375mm
3 Minuten später:
1/25s f/6,3 ISO 2500/35° 50-250mm f/4,5-6,3 VR f=250mm/375mm
nochmal 3 Minuten später, immer noch da:
1/15s f/6,3 ISO 1250/32° 50-250mm f/4,5-6,3 VR f=250mm/375mm
Viel länger hätte ich die Luft eh nicht anhalten können. Kurz darauf haben die Nachbarbäume die Sichtachse zensiert, weil sie wohl unbedingt auch mit aufs Bild wollten.
Aber die Finsternis ist nicht nur für Sternengucker spannend, sie verändert die ganze Natur:
🪲
Mistkäfer nutzen als weltweit einzige bekannte Lebewesen das schwache Lichtband der Milchstraße, um dank hochempfindlicher Facettenaugen nachts perfekt geradeaus zu navigieren.
Weil das störende, helle Mondlicht plötzlich weggedimmt wird, sehen sie die Galaxie viel besser, legen den intergalaktischen Vorwärtsgang ein und rollen ihre Dungkugeln2 plötzlich dreimal schneller und präziser als in jeder normalen Vollmondnacht.
🌋
Das rote Leuchten des Blutmonds ist die Summe aller Sonnenuntergänge der Erde. Die Atmosphäre wirkt wie ein gigantisches Prisma und projiziert das weltweite Abendrot direkt auf den Mond. Gleichzeitig sackt die Temperatur dort oben so schlagartig ab, dass der Mond schrumpft und messbare Mondbeben ausgelöst werden.
⛵
Im Jahr 1504 rettete eine Mondfinsternis Christoph Kolumbus das Leben. Als die Ureinwohner auf Jamaika ihm keine Vorräte mehr geben wollten, drohte er ihnen an, Gott würde dem Mond das Licht stehlen. Als die Finsternis wie vorhergesagt eintraf, gaben die verängstigten Inselbewohner ihm sofort alles, was er brauchte.
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Hab doch tatsächlich versucht, die Blende auf 2,8 hochzudrehen. Vollmond halt. ↩
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Das Logistik-Unternehmen Dungtransport ist pure Lebensversicherung: Frischer Dung liefert wichtige Nährstoffe, sorgt am Haufen aber für ordentlich Gedränge. Um den Proviant nicht an die Konkurrenz zu verlieren, formen sie blitzschnell eine Kugel, flüchten auf dem absolut schnellsten Weg (daher die gerade Linie via Milchstraße) und vergraben das leckere Mittagessen als ungestörtes Festmahl oder exklusive Kinderstube für den Nachwuchs.
Mehr Details zu diesem Orientierungsverfahren gibt es im Wikipedia-Eintrag zum Mistkäfer und in der wissenschaftlichen Originalstudie von Marie Dacke auf ScienceDirect. ↩